Die Physiker

Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ wurde 1962 in Zürich uraufgeführt. Die Buchveröffentlichung erfolgte im gleichen Jahr, 1964 wurden „Die Physiker“ von Fritz Umgelter fürs Fernsehen verfilmt. Dürrenmatt folgt in der Groteske seiner eigenen Theorie „eine Geschichte [ist] dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat“.

Drei Physiker, die alle im Privatsanatorium „Les Cerisiers“, einer Irrenanstalt untergebracht sind, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Kriminalinspektor Richard Voß und sein Assistent Blocher ermitteln in dieser in einer alten Villa eingerichteten Anstalt, nachdem zwei Krankenschwestern umgebracht wurden. Die Physiker zeigen unterschiedliche Krankheitsbilder. Der erste von ihnen, Ernst Heinrich Ernesti, glaubt Albert Einstein zu sein, während Herbert Georg Beutler sich für Isaac Newton hält. Das Sanatorium wird von dem 55 Jahre alten, buckeligen Fräulein Dr. h. c. Dr. med. Mathilde von Zahnd geleitet, dem letzten noch lebenden Mitglied einer alten Adelsfamilie, welches in Psychiater-Fachkreisen als herausragende Koryphäe gilt. Der dritte Physiker, Johann Wilhelm Möbius hat die „Weltformel“ entdeckt, die – geriete sie in die falschen Hände – zur Vernichtung der Menschheit führen könnte.

In der Groteske "Die Physiker" behauptet ein Protagonist, ihm erscheine König Salomo, um seine gefährliche 'Weltformel' geheim zu halten.

In der Groteske “Die Physiker” behauptet ein Protagonist, ihm erscheine König Salomo, um seine gefährliche ‘Weltformel’ geheim zu halten.

Möbius behauptet ihm erscheine König Salomon. Er tut dies, um sich selbst unglaubwürdig zu machen und so den befürchteten Missbrauch seiner Entdeckung zu verhindern. Newton und Einstein erweisen sich als in Wahrheit rivalisierende Agenten konkurrierender Geheimdienste, die sich nur als Irre ins Irrenhaus haben einweisen lassen, um an Möbius‘ Aufzeichnungen zu kommen und diese an ihre Auftraggeber weiterzugeben.
Die Physiker ermorden ihre Krankenschwestern, um ihre jeweiligen Geheimnisse zu schützen. Als Kriminalinspektor Voß seine Ermittlungen wegen der Todesfälle aufnimmt, vernichtet Möbius seine gesamten Unterlagen. Um den Weltuntergang zu verhindern, überzeugt er sogar seine beiden Berufskollegen, ihr gefährliches Wissen für sich zu behalten. Doch die Verabredung zum Stillschweigen kommt zu spät. Fräulein ­Dr. Dr. Zahnd, die Besitzerin der Anstalt, die als einzig wirklich Irre in dem Spiel tatsächlich glaubt, im Auftrag König Salomons zu handeln, hat bereits Möbius‘ gesamte Unterlagen kopiert. Sie will mit dieser Formel die Weltherrschaft für sich erlangen. Die Physiker, die – nach den von Zahnd initiierten Morden – öffentlich zu Geisteskranken erklärt worden sind, bleiben im Irrenhaus eingesperrt. Sie haben keinerlei Möglichkeit mehr, etwas gegen die Pläne der verrückten Irrenärztin zu unternehmen.

„Die Physiker“ ­entstand vor dem geschichtlichen Hintergrund des Kalten Krieges. Das atomare Aufrüsten der beiden Großmächte Sowjetunion und USA beherrschte das Zeitgeschehen. Auch Dürrenmatt blieb von dieser weltpolitischen Lage nicht unberührt. Bereits 1949 fanden „Die Physiker“ einen Vorläufer. In dem Sketch „Der Erfinder“, den Dürrenmatt für das „Cabaret Cornichon“ schrieb, nahm er die Frage der Verantwortlichkeit der Wissenschaft für die gemachten Entdeckungen erstmals auf. Ein Professor versteckt hier eine Minibombe, die die Welt vernichten könnte, im Dekolleté einer Dame und entschärft sie so.

Anlässlich des Erscheinens der Gesamtausgabe seiner Werke überarbeitete Dürrenmatt „Die Physiker“ 1980. Grundsätzliche Änderungen wurden dabei aber nicht vorgenommen. „Die Physiker“ hat bis heute nichts an Aktualität verloren, nur die Themen haben sich geändert. Heute spricht man eher von Genmanipulation und Präimplantationsdiagnostik.

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